
Neckarstraße 2 · seit 1923
Manche Häuser haben eine Adresse. Dieses hat eine Biografie.
Im Oktober 1923 - Berlin taumelt durch die Inflation, ein Brot kostet Milliarden - unterschreiben der Gastwirt Max Schulze und seine Frau Anna einen Mietvertrag: Räume im Haus Neckarstraße 2, „zum Betriebe einer Hotelwirtschaft". Zwölf Zimmer, zwei Kammern, zwei Küchen, ein Bad. Es ist die Geburtsurkunde des Thüringer Hofs - und der Anfang von über hundert Jahren Gastfreundschaft an derselben Adresse, unter demselben Namen.
Max und Anna Schulze eröffnen die „Hotelwirtschaft" im Haus des Oberbaurats Fritz Pors. Der Name grüßt die Heimat vieler Berliner Zugezogener: Thüringen.

Neukölln wächst rasant. Wer in der Stadt Fuß fassen will, findet im Thüringer Hof ein erstes Bett - Handelsreisende, Familien, Glücksucher. Berlin war immer eine Stadt der Ankommenden.
Eine Bombe trifft das Neuköllner Bauamt, die Archive verbrennen. Von Jahrzehnten Hausgeschichte bleiben nur Fragmente: ein Mietvertrag, Einträge im Fernsprechbuch. Was die Zeit übrig ließ, zeigen wir heute im Haus.

Das Haus wird weitergegeben, umgebaut, erneuert - und bleibt, was es ist: ein Hotel. Der Hirsch aus dem Wappen zieht in Logo und Zimmer ein, als stiller Gruß an den Thüringer Wald.
Ein Jahrhundert an derselben Adresse. Die Apartments sind längst komplett renoviert - Stuck und Samt treffen auf Küchen, WLAN und Waschmaschinen.
Apartments in sechs Kategorien, ein Empfang mit alter Standuhr, ein Kiez voller Leben. Das nächste Kapitel schreiben unsere Gäste.

„Vieles ging verloren, als der Krieg Neuköllns Archive verschlang.
Geblieben ist ein Haus - und seine Geschichte."